Kurz gesagt
KI kann Texte in Leichte Sprache übersetzen, die den Regeln der DIN SPEC 33429 folgen: kurze Sätze, ein Satz pro Zeile, Erklärungen für schwierige Wörter. Die Form beherrschen gute Modelle zuverlässig. Die Schwachstelle sind Inhalte: Zahlen, Namen und Bedingungen können sich beim Vereinfachen verändern.
Brauchbar wird eine KI-Übersetzung mit einem Modell, das mit von Menschen übersetzten Texten trainiert wurde, einer automatischen Prüfung von Namen und Zahlen, einem sichtbaren Hinweis, dass ein Computer übersetzt hat, und einem Betrieb ohne Weitergabe der Texte an fremde KI-Anbieter.
Wie ein Sprachmodell in Leichte Sprache übersetzt
Ein Sprachmodell hat gelernt, aus einem Text den wahrscheinlichsten nächsten Text zu bilden. Bekommt es einen Absatz in Standardsprache und die Aufgabe, ihn in Leichte Sprache zu bringen, erzeugt es Satz für Satz eine neue Fassung. Wie gut die ausfällt, hängt vor allem davon ab, womit das Modell trainiert wurde.
Ein allgemeines Chat-Modell kennt Leichte Sprache nur aus dem, was zufällig in seinen Trainingsdaten lag. Es schreibt dann „einfacher“, hält aber die Regeln nicht ein: Die Sätze werden kürzer, stehen aber weiterhin zu mehreren in einer Zeile. Fremdwörter bleiben stehen oder werden durch andere Fremdwörter ersetzt, und Erklärungen fehlen. Ein spezialisiertes Modell wird zusätzlich mit tausenden Textpaaren trainiert, in denen Menschen Originaltexte in Leichte Sprache übersetzt haben. Es lernt daraus die Form: den Satzbau, die Anrede, den Mediopunkt in langen Wörtern, den Aufbau einer Erklärung.
Das Modell von participaite ist ein solches spezialisiertes Modell. Es bekommt zu jedem Textabschnitt den Seitentitel, die Abschnittsüberschrift und den umgebenden Text mit, damit es weiß, worum es auf der Seite geht. Ein Absatz über „die Gebühr“ wird so richtig verstanden, auch wenn die Gebühr nur weiter oben auf der Seite genannt wird.
Die Form beherrscht KI gut
Die Regeln der Leichten Sprache lassen sich zu großen Teilen messen: Wie lang sind die Sätze? Steht jeder Satz in einer eigenen Zeile? Gibt es Passiv, Genitiv, Konjunktiv? Werden lange Wörter getrennt? Solche Prüfungen zeigen bei spezialisierten Modellen Werte, die an von Menschen übersetzte Texte heranreichen. In unseren Messungen über Dutzende Verwaltungsseiten hält die Übersetzung die formalen Regeln in 99 Prozent der Abschnitte ein.
Auch die Wortwahl lässt sich messen: Wie viele Wörter des Textes kommen in von Menschen übersetzten Leichte-Sprache-Texten praktisch nie vor? Wie viele schwierige Wörter des Originals übernimmt das Modell unverändert? Beides sind Kennzahlen, die wir bei jeder neuen Modellversion mitführen, weil ein Modell dazu neigt, schwierige Begriffe aus dem Original einfach stehen zu lassen.
Wo KI Fehler macht: der Inhalt
Die Schwachstelle liegt bei der Treue zum Inhalt. Beim Vereinfachen muss das Modell entscheiden, was es weglässt, zusammenfasst und erklärt. Dabei passieren vier Arten von Fehlern:
- Verfälschungen: Aus „Der Antrag ist nicht nötig, wenn …“ wird „Sie brauchen einen Antrag.“ Eine Bedingung fällt weg, und die Aussage kippt.
- Falsche Zahlen und Namen: Eine Gebühr von 35 Euro wird zu 25 Euro, ein Straßenname bekommt einen Buchstaben zu viel. Solche Fehler fallen beim Lesen niemandem auf, gerade weil sie so klein sind.
- Erfindungen: Das Modell ergänzt etwas Plausibles, das im Original nicht steht, zum Beispiel eine Öffnungszeit oder einen Hinweis, dass man online beantragen kann.
- Fehlende Kernaussagen: Der wichtigste Satz des Absatzes fällt beim Kürzen weg.
Dazu kommen Erklärungen, die inhaltlich nicht stimmen. Leichte Sprache erklärt schwierige Wörter, und das Modell tut das auch. Eine falsche Erklärung eines Fachbegriffs ist für die Leser:innen schlimmer als keine.
Wie häufig das ist, zeigt eine Untersuchung der Universität Hildesheim aus dem Projekt KI-GesKom (2024 bis 2025): 30 Gesundheitstexte wurden mit einem spezialisierten KI-Übersetzer in Leichte Sprache gebracht und von zwei Forschenden auf Korrektheit geprüft. Alle 30 Übersetzungen enthielten Fehler. Die Form war brauchbar, der Inhalt musste nachbearbeitet werden.
So misst man die Fehlerquote
Wer ein KI-Werkzeug für Leichte Sprache auswählt, sollte nach Zahlen fragen. Eine brauchbare Messung sieht so aus:
- Eine Stichprobe von 20 bis 40 echten Seiten aus allen Bereichen der Website, nicht nur die Startseite.
- Dieselben Seiten durch jedes Werkzeug übersetzen, mit demselben Originaltext.
- Jede Zeile der Übersetzung gegen das Original prüfen: Stimmt die Aussage? Stimmen Zahlen, Namen, Bedingungen? Ist die Erklärung richtig?
- Zusätzlich pro Seite prüfen, ob die Kernaussagen des Originals vorkommen.
- Getrennt davon die Form messen: Regeln der Leichten Sprache, Satzlänge, Wortwahl.
Als Ergebnis bekommen Sie eine Fehlerquote pro 100 Zeilen und den Anteil der Seiten ohne inhaltlichen Fehler. Diese beiden Zahlen sind vergleichbar, auch zwischen Anbietern. Von den Anbietern, die wir kennen, veröffentlichen wir als einzige solche Zahlen für unser Produkt.
Unser aktuelles Modell erreicht in einem Vergleich auf Seiten einer Landesverwaltung rund 1,3 inhaltlich falsche Zeilen je 100 Zeilen. Jede zweite Seite ist ohne inhaltlichen Fehler. Ein verbreiteter Live-Übersetzer am Markt lag auf denselben Seiten mit demselben Prüfverfahren bei rund 6 falschen Zeilen je 100 und etwa jeder zehnten Seite ohne Fehler. Der Vergleich ist eine Momentaufnahme, und auch 1,3 Fehler je 100 Zeilen sind nicht null.
Was gegen Fehler hilft
Vier Dinge senken die Fehlerquote und machen die restlichen Fehler erträglich:
- Training mit Übersetzungen von Menschen statt mit Texten, die andere Modelle erzeugt haben. Das Modell lernt dann, was Menschen weglassen und was sie erklären.
- Eine automatische Prüfung von Namen, Daten, Beträgen und Telefonnummern in jeder Übersetzung. Das Plugin von participaite übersetzt einen Abschnitt neu, wenn eine Zahl abweicht, und zeigt ihn im Original, wenn die Zahl auch dann nicht stimmt.
- Feste Formulierungen für wiederkehrende Überschriften, etwa „Welche Unterlagen werden benötigt?“ auf Leistungsseiten. So heißt der Abschnitt auf jeder Seite gleich, und das Modell fasst ihn nicht jedes Mal anders zusammen.
- Ein sichtbarer Hinweis für die Leser:innen, dass ein Computer übersetzt hat und der Text Fehler haben kann. Im Zweifel ist das Original einen Klick entfernt.
Für die wichtigsten Seiten bleibt die Übersetzung durch Menschen mit Prüfgruppe der Maßstab. Das Plugin nimmt solche Seiten aus und zeigt dort die geprüfte Fassung.
Datenschutz: Wohin gehen die Texte?
Viele KI-Werkzeuge schicken Texte an ein Modell eines großen Anbieters, oft über eine Cloud in den USA oder über europäische Rechenzentren amerikanischer Konzerne. Für öffentliche Informationsseiten ist das datenschutzrechtlich meist vertretbar, weil die Texte ohnehin öffentlich sind. Trotzdem fragen Datenschutzbeauftragte zu Recht, wer die Inhalte zu welchem Zweck verarbeitet und ob sie zum Training verwendet werden.
Beim Plugin von participaite läuft das Modell auf eigenen, gemieteten Servern in Deutschland bzw. der EU. Die Texte gehen an keinen KI-Anbieter. IP-Adressen der Besucher:innen werden nicht gespeichert, das Plugin setzt keine Cookies. Eine Vereinbarung zur Auftragsverarbeitung gibt es auf Anfrage. Die Einzelheiten stehen in der Dokumentation zum Datenschutz (externe Website).
Kennzeichnung nach KI-Verordnung
Die KI-Verordnung der EU verlangt in Artikel 50, dass KI-erzeugte Texte, die die Öffentlichkeit über Angelegenheiten von öffentlichem Interesse informieren, als künstlich erzeugt gekennzeichnet werden. Für Behörden-Websites trifft das zu. Das Plugin zeigt deshalb beim Einschalten der Leichten Sprache ein Hinweisfenster:
Diesen Text hat ein Computer in Leichte Sprache übersetzt. Der Text kann Fehler haben.
Der Hinweis lässt sich auch als dauerhafter Balken über dem Inhalt anzeigen, sodass er beim Lesen sichtbar bleibt.
Häufige Fragen
Ist KI-Übersetzung in Leichte Sprache erlaubt?
Ja. Es gibt keine Vorschrift, die eine maschinelle Übersetzung in Leichte Sprache verbietet. Die KI-Verordnung der EU verlangt in Artikel 50, dass KI-erzeugte Texte, die die Öffentlichkeit über Themen von öffentlichem Interesse informieren, als solche gekennzeichnet werden. Das Plugin von participaite zeigt deshalb beim Einschalten den Hinweis „Diesen Text hat ein Computer in Leichte Sprache übersetzt. Der Text kann Fehler haben.“
Kann ChatGPT in Leichte Sprache übersetzen?
Allgemeine Chat-Modelle können Texte vereinfachen, halten die Regeln der Leichten Sprache aber nicht zuverlässig ein und ändern beim Kürzen leicht Inhalte. Für eine Website kommt hinzu, dass die Texte an einen Anbieter außerhalb der EU gehen und jede Seite von Hand übersetzt und gepflegt werden müsste. Ein spezialisiertes Modell, das mit menschlichen Übersetzungen trainiert wurde, liefert deutlich regelkonformere Texte.
Welche Fehler macht KI bei Leichter Sprache?
Die häufigsten Fehler sind verfälschte Aussagen (aus „nicht erlaubt“ wird „erlaubt“), veränderte Zahlen und Namen, erfundene Ergänzungen und fehlende Kernaussagen. Dazu kommen falsche Erklärungen schwieriger Wörter. Die Form, also Satzlänge, Zeilenumbruch und Wortwahl, ist bei spezialisierten Modellen selten das Problem.
Wie prüft man die Qualität einer KI-Übersetzung in Leichte Sprache?
Zwei Dinge getrennt prüfen: die Form (Regeln der Leichten Sprache, zum Beispiel mit einer automatischen Regelprüfung) und den Inhalt (jede Zeile gegen das Original: stimmt die Aussage, stimmen Zahlen, Namen und Bedingungen, fehlt etwas Wichtiges). Für den Inhalt braucht es Menschen oder ein eigenes Prüfmodell. Sinnvoll ist eine Stichprobe von 20 bis 40 Seiten aus allen Bereichen der Website.
Ersetzt KI die Übersetzung durch Menschen?
Für die wichtigsten Seiten, etwa zur Barrierefreiheit, zur Navigation oder zu zentralen Leistungen, bleibt eine von Menschen übersetzte und von einer Prüfgruppe geprüfte Fassung der Maßstab. KI macht den Rest der Website zugänglich, der sonst nie in Leichter Sprache vorläge. Beides lässt sich kombinieren: Von Menschen übersetzte Seiten nimmt das Plugin aus.
Ihre Website in Leichter Sprache, ohne Aufwand
Das Leichte Sprache Plugin übersetzt jede Seite Ihrer Website per Klick, mit eigenem KI-Modell auf Servern in der EU. Wir zeigen es Ihnen kostenlos auf Ihrer eigenen Website.
Veröffentlicht am 25. September 2026, zuletzt aktualisiert am 6. Oktober 2026. Autor: participaite, Yavio GmbH.