Kurz gesagt

Die DIN SPEC 33429 „Empfehlungen für Deutsche Leichte Sprache“ ist seit März 2025 der erste deutsche Standard für Leichte Sprache, erarbeitet beim DIN im Auftrag des Bundesarbeitsministeriums und kostenlos bei DIN Media erhältlich. Sie empfiehlt kurze Sätze mit acht bis zehn Wörtern, einen Satz pro Zeile, Erklärungen für schwierige Wörter, die Gliederung langer Wörter mit Bindestrich oder Mediopunkt und die Prüfung durch Menschen mit Lernschwierigkeiten.

Für Websites empfiehlt sie, Leichte Sprache von der Startseite aus erreichbar zu machen und eine Umschaltfunktion zwischen Leichter Sprache und Alltagssprache anzubieten.

Was die DIN SPEC 33429 ist

Die DIN SPEC 33429 „Empfehlungen für Deutsche Leichte Sprache“ ist im März 2025 erschienen. Erarbeitet hat sie ein Konsortium beim DIN im Auftrag des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales, mit Forschung, öffentlicher Hand, Übersetzer:innen, Prüfer:innen und Menschen mit Lernschwierigkeiten. Das Dokument hat 60 Seiten und ist bei DIN Media kostenlos als barrierefreies PDF erhältlich. Ein Entwurf lag seit April 2023 zur öffentlichen Kommentierung vor.

Eine DIN SPEC ist eine Spezifikation, kein Gesetz und keine Norm, die man zertifizieren lässt. Auftraggeber und Übersetzer:innen können sich darauf beziehen, zum Beispiel in Ausschreibungen: „Übersetzung nach DIN SPEC 33429“. Vorher gab es in Deutschland mehrere Regelwerke nebeneinander, vor allem die Regeln des Netzwerks Leichte Sprache von 2006 und die Vorgaben in Anlage 2 der BITV 2.0. Die DIN SPEC fasst den Stand der Praxis und der Forschung zusammen.

Was drinsteht

Die DIN SPEC gliedert sich in sprachliche Empfehlungen (Wort, Satz, Text, Situation), Empfehlungen zur visuellen Gestaltung, Empfehlungen für Medienformate (Websites, Druck, PDF, Video) und einen Abschnitt zum Prozess der Texterstellung mit der Prüfung durch die Zielgruppe. Die wichtigsten sprachlichen Empfehlungen:

  • Sätze sind kurz und enthalten wenige Aussagen, im Durchschnitt acht bis zehn Wörter. Die übliche Reihenfolge Subjekt, Prädikat, Objekt wird eingehalten.
  • Vermieden werden Satzgefüge mit eingebetteten Nebensätzen, Relativsätze und komplexe Nominalphrasen. Reihungen werden zu Listen.
  • Jeder Satz steht in einer eigenen Zeile. Aufzählungen werden als Liste gesetzt.
  • Lange und schwer lesbare Wörter werden gegliedert, mit Bindestrich oder mit dem Mediopunkt („Bürger‧amt“). Beides wird in einem Text nicht gemischt. Für den Mediopunkt ist ein bestimmtes Unicode-Zeichen vorgesehen, damit Screenreader und Suchfunktionen das Wort noch erkennen.
  • Schwierige Wörter werden erklärt, Fremdwörter und Abkürzungen vermieden.
  • Der Genitiv ist nicht grundsätzlich verboten. Einfache Genitive mit konkreten Namen („Annas Auto“) sind in Ordnung, abstrakte oder gereihte Genitive nicht.
  • Passiv, Konjunktiv und Verneinungen werden vermieden, wo sie nicht nötig sind.
  • Zahlen werden als Ziffern geschrieben, geschlechtergerechte Sprache wird mit dem Auftraggeber und der Prüfgruppe abgestimmt.

Der Abschnitt zur Prüfung beschreibt, wie eine Prüfgruppe aus Menschen mit Lernschwierigkeiten den Text liest, angeleitet von einer Prüfassistenz, und alle unverständlichen Stellen anmerkt. Diese Prüfung ist das Qualitätsmerkmal von Übersetzungen durch Menschen.

Was die DIN SPEC für Websites empfiehlt

Ein eigener Abschnitt behandelt Online-Medien. Die Inhalte in Leichter Sprache sollen direkt von der Startseite aus zu finden sein, etwa über einen Navigationspunkt „Leichte Sprache“, der möglichst ohne Scrollen sichtbar ist und auf jeder Unterseite in der Navigation bleibt. Nutzer:innen sollen zwischen Leichter Sprache und Alltagssprache umschalten können. Gibt es einen Inhalt in beiden Fassungen, soll die Alltagssprache-Seite auf die Fassung in Leichter Sprache verlinken. Die Navigation innerhalb der Leichten Sprache soll flach und selbsterklärend sein, und komplexe Anwendungen wie mehrstufige Formulare sollen eine Bedienungsanleitung in Leichter Sprache bekommen.

Diese Empfehlungen gehen von getrennten Seiten in Leichter Sprache aus. Eine Umschaltfunktion, die jede Seite an Ort und Stelle übersetzt, erfüllt denselben Zweck auf kürzerem Weg. Der Button steht auf jeder Seite, eine zweite Navigation entfällt, und jeder Inhalt hat automatisch seine Fassung in Leichter Sprache.

Unterschiede zu den Regeln des Netzwerks Leichte Sprache

Die Regeln des Netzwerks Leichte Sprache sind strenger und kürzer formuliert: kein Genitiv, kein Konjunktiv, kein Passiv, keine Verneinung, Bindestrich zur Worttrennung. Die DIN SPEC formuliert Empfehlungen statt Verbote und lässt Abwägungen zu, weil sich Regeln auf Wort-, Satz- und Textebene widersprechen können. Sie lässt den Mediopunkt als Alternative zum Bindestrich zu und ordnet den Genitiv differenzierter ein. Beide Regelwerke stimmen im Kern überein: kurze Sätze, ein Satz pro Zeile, Erklärungen, Prüfung durch die Zielgruppe.

Die BITV 2.0 verlangt in Anlage 2 für die Pflichttexte auf Startseiten von Bundesbehörden unter anderem Bindestriche zur Worttrennung und keine Verneinungen. Wer diese Texte erstellt, hält sich dort an die BITV, auch wenn die DIN SPEC mehr Spielraum ließe.

Was das für KI-Übersetzungen bedeutet

Die meisten Empfehlungen der DIN SPEC sind messbar: Satzlänge, Zeilenumbruch, Passiv, Nebensätze, Wortlänge, Gliederungszeichen. Deshalb lässt sich prüfen, ob ein KI-Modell die Form einhält, Zeile für Zeile und über tausende Seiten. Das Modell von participaite wurde mit Texten trainiert, die Menschen nach diesen Regeln übersetzt haben, und hält die formalen Empfehlungen in 99 Prozent der Abschnitte ein: ein Satz pro Zeile, Anrede mit „Sie“, Erklärungen für schwierige Wörter, Mediopunkt in langen Wörtern.

Die Prüfung des Inhalts deckt die DIN SPEC nicht ab. Ob eine Übersetzung inhaltlich stimmt, misst kein Regelwerk. Wie wir das messen und welche Fehler bleiben, steht auf der Seite Leichte Sprache mit KI.

Quellen

Häufige Fragen

Ist die DIN SPEC 33429 verbindlich?

Nein. Eine DIN SPEC ist eine Spezifikation, kein Gesetz und keine zertifizierbare Norm. Sie wird verbindlich, wenn ein Auftraggeber sie in einem Vertrag oder einer Ausschreibung vorgibt. Für die Pflichttexte auf Websites von Bundesbehörden gilt daneben Anlage 2 der BITV 2.0.

Wo bekomme ich die DIN SPEC 33429?

Bei DIN Media, kostenlos als barrierefreies PDF. Das Dokument hat 60 Seiten. Von der Entwurfsfassung gibt es auch eine Fassung in Leichter Sprache.

Was ist der Unterschied zwischen DIN SPEC 33429 und den Regeln des Netzwerks Leichte Sprache?

Das Netzwerk formuliert kurze Verbote (kein Genitiv, kein Passiv, kein Konjunktiv, keine Verneinung, Bindestrich zur Worttrennung). Die DIN SPEC formuliert Empfehlungen mit Abwägungen, erlaubt einfache Genitive und den Mediopunkt als Gliederungszeichen und beschreibt zusätzlich Gestaltung, Medienformate und den Prüfprozess. Im Kern stimmen beide überein.

Mediopunkt oder Bindestrich?

Die DIN SPEC lässt beides zu, aber nicht gemischt in einem Text. Der Mediopunkt („Bürger‧amt“) ändert die Rechtschreibung des Wortes nicht und wird von Screenreadern und Suchfunktionen besser verarbeitet, wenn das vorgesehene Unicode-Zeichen verwendet wird. Die BITV 2.0 verlangt für die Pflichttexte des Bundes den Bindestrich.

Kann eine KI nach DIN SPEC 33429 übersetzen?

Die formalen Empfehlungen (Satzlänge, ein Satz pro Zeile, Wortgliederung, Erklärungen) kann ein spezialisiertes Modell zuverlässig einhalten. Das Modell von participaite wurde mit Texten trainiert, die Menschen nach diesen Regeln übersetzt haben. Die Prüfung durch Menschen mit Lernschwierigkeiten ersetzt keine KI; sie bleibt das Merkmal geprüfter Leichter Sprache.

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Veröffentlicht am 15. September 2026, zuletzt aktualisiert am 30. September 2026. Autor: participaite, Yavio GmbH.